Geschichte
Die dichten Grenzberge, von welchen das Gebiet der böhmischen Fürsten vor den Feindeneinbrüchen geschützt wurde, blieben lange Zeit unbesiedelt. Erst die slawische Bevölkerung drang vons den fruchtbareren Tiefebenen aus Böhmen und Lausitz immer tiefer in die zusammenhängend bewaldeten Grenzgebirgen vor. Die slawische Namen der Gemeinden (Jablonné, Suchá, Brništì) oder Berge (Stráží, Sokol, Hvozd) weisen bis heute den Aufenthalt unserer Ahnen in diesem Gebiet nach.
Während der, im 12. Jahrhundert erfolgten Kolonisierung, kamen in die neu entstehenden Siedlungen auch deutsche Kolonisten. Diese Kolonisierungsaktivität hang mit den Bemühungen der Familie Markwartiz in dem Gebiet unterhalb des Jeschken zusammen. Eine bedeutende Person diesel Familie war Hawel von Lemberg, welcher in den 40er Jahren des 13. Jh. zu den Vertrauten von Wenzel dem I. gehörte. Die Hawels Unterschrift auf einem Dokument mit der Bezeichnung „de Yablonni“ ist eigentlich die erste nachgewiesen Erwähnung der Stadt, welche zu der Zeit wahrscheinlich schon existierte. Jablonné bekam in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine wachsende Bedeutung zwischen den Siedlungen im Gebiet unterhalb von Jeschken und begann sich zur Stadt zu entwickeln.
Jablonné verdankt seine Entwicklung im Mittelalter der günstigen Lage am Handelsweg von Zittau nach Prag, über mehrere Jahrzehnte war sie ein bedeutendes Handels- und Zollzentrum in der Region. Hier existierte sogar ein Münzhaus, in welchem Brakteaten geprägt wurden. Später betonte der König Karel der IV. die Bedeutung der Zollstadt, durch die Verordnung, eine Maut zu erheben und ausschließlich den Weg durch Jablonné für den Kontakt mit der Lausitz zu nutzen (falls der Handelsmann auf einem anderen Weg gefasst wurde, kam die Ware in den Besitz der Herrschaften von Lemberg) und durch den Bau von Schutzburgen entlang des Weges. In der Nähe der Städte baute Hawel seine befestigte Burg Lemberg und nach dem Jahr 1250 gründete er mit seine Frau Zdislava in Jablonné ein Kloster des damals noch neuen dominikanischen Ordens.
Zdislava zeichnete sich durch ihre Heilkunst und ihr erbarmungsvolles Herz aus, sie selbst pflegte Erkrankte. Der berühmte Chronikem Dalimil schrieb über sie in seiner Chronik:
Sie belebte fünf Tote wieder, leuchtete viele Blinden durch, heilte auch viele Behinderten und Leprakranke, sie half auch bei anderen Arbeiten …
In nachfolgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer der Stadt – nach den Herrschaften von Lemberg folgte die Familie Berka von Dauba, von welcher die Stadt im Jahr 1418 die Familie Wartenberg kaufte. Bald gehörte sie aber wieder zum Besitz der Familie Berka und zwar bis zum Jahr 1706.
In den hussitischen Kriegen blieben die meisten nordböhmischen Adelsfamilien, einschließlich der Familien Berga von Dauba und Wartenberg dem Kaiser Sigmund treu. Deswegen waren die hussitischen Streifzüge seit dem Anfang der Kriege auf Nordböhmen ausgerichtet. Viele Adelige traten während der Kriege zu den Hussiten über, um die Plünderung zu verhindern. Im Jahr 1428 knüpfte auch Hans von Wartenberg Kontakt zu den Hussiten.
Im 16. Jahrhundert wechselte die Stadt Jablonné innerhalb der Familie Berka den Besitzer, es kam aber zur Beruhigung der Verhältnisse und zum Bau neuer Objekte: Spitalkapelle des heiligen Wolfgangs, der Burg Neuer Falkenburg, einer Brauerei und im Jahr 1596 wurde die Schule errichtet sowie im Jahr 1699 wurden die Baumaßnahmen an der Kirche des heiligen Laurenzius gestartet.
Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt die Stadt große Schäden, im Jahr 1623 wurde der letzte protestantische Priester aus Jablonné vertrieben und es begann eine harte Rekatolisierung. Gleichzeitig litt die Stadt durch zerstörende Raubzüge der Militärtruppen, viele Wertsachen wurden weggeschleppt, besonders nach Schweden.
In den 80er Jahren starteten die Dominikaner den Umbau des verkommenen Klosters. Der Besitzer der Herrschaft, der Graf Franz Anton Berka, der letzte Nachfahre der berühmten Familie mit der Bewusstheit, dass er niemanden sein Reichtum übergeben kann, unterstützte finanziell den Bau der prächtigen Klosterkirche des heiligen Laurenzius. Obwohl wenn es nach seinem Tot (1706) kein Interesse für den Bau mit der urpsrünglichen Großzügigkeit bei seinen Nachfolgern, hauptsächlich bei der Familie Pachta von Rajow gab, entstand ein Bauwerk, welches zu den bedeutendsten seiner Art in Böhmen gehört. In der Zeit der Reformen von Joseph dem II. wurde im Jahr 1788 das dominikanische Kloster aufgelöst und noch in diesem Jahr erlebte die Stadt ein zerstörender Brand – Im Stadtzentrum blieben nur 10 Häuser verschont.
Auf einer eigenartigen Art und Weise griff der 1. Weltkrieg in die Schicksale der Gemeinde ein, als schon im November 1914 am Stadtrand (an der Stelle des heutigen Freibades) ein Lager gebaut wurde, im welchen die Gefangenen, überwiegend Russen (insgesamt 14.000), interniert wurden. Eine traurige Errinnerung an diese Zeit ist der russische Friedhof in der Siedlung Lada v Podještìdí, wo die Soldaten aus der Halitsch-Brigade begraben wurden, welche hier im Jahr 1919 interniert wurden.
Die Entwicklung der Stadt Jablonné v Podještìdí unterschied sich nach dem 1. Weltkrieg nicht besonders von anderen Städten in der Grenzregion. Sie wurde mit dem Versuch gestartet, die Grenzgebiete loszulösen und die Provinz Deutschböhmen zu errichten, in derer Landesregierung auch der hiesige Landsmann Kraus war. Diese Episode beendete erst der Einmarsch der tschechoslowakischen Armee in die Stadt im Dezember 1918. Am Ende des 2. Weltkrieges kamen nach Jablonné die Flüchtlinge aus den Ostländern, sowie aus dem ausgebombten Stadten in Deutschland. Die Nachkriegsjahre waren für die Stadt eine Zeit der großen Änderungen. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung änderte sich vollständig die Einwohnerstruktur der Stadt und ihrer Umgebung. In kurzer Zeit wurde auch das gesellschaftliche Leben wieder belebt, in der Stadt entstanden neue Vereine, viele alte Vereinigungen wurden auch wiederbelebt. Anfang der 50er Jahre folgte ein großer Wandel in der Wirtschaft – traditionelle Textilfabriken wurden aufgelöst, ihre Stelle nahm der Glasbetrieb Preciosa ein.
In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurde der Zeltplatz und Freibad erbaut, womit der Erholungscharakter der Stadt gestärkt wurde, welcher durch die Nähe des touristisch interessanten Lausitzer Gebirge begünstigt wird.
Eine weitere Wende in der Stadtentwicklung erfolgte mit den demokratischen Änderungen im November des Jahres 1989. Es kommt zum Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, im Gegensatz dazu erhöht der Glasbetrieb Preciosa seine Produktion. Schrittweise entwickelt sich der Tourismus, auch dank der Öffnung des touristischen Übergangs zwischen der Tschechischen Republik (Ortsteil Petrovice) und Deutschland (Ortsteil Lückendorf) seit dem 1. Januar 1995. Diese Tatsache hat auch einen Einfluss auf die Entwicklung der sehr guter Beziehungen zwischen der Bevölkerung beider Grenzgebiete.
Trotz der oft verzwickte Entwicklung erfüllt die Stadt Jablonné die Funktion eines kulturellen und gesellschaftlichen Zentrums im Lausitzer Gebirge. Die Naturschönheiten und viele historische Sehenswürdigkeiten der Stadt bilden einen ideales Fundament für den Aufenthalt regionaler und ausländischer Besucher.
